23.Tag: Bis Venlo

Was ist bloß los mit den Wetterapps!! Jedes mal, wenn man nachschaut heißt es: "bewölkt aber trocken- Regenwahrscheinlichkeit unter 20%. Und schaut man aus dem Fenster? Die übliche holländische erhöhte Luftfeuchtigkeit. Es nieselt es regnet, es pladdert. Der Holländer und die Holländerin schieben sich unbeeindruckt durch den Regen - aber ich bin kein Holländer - und ich will auch keine Schwimmhäute bekommen!!


Aber:" Wir werden durchhalten!"

Aber wisst Ihr was? Heute nicht auf dem Fahrrad. Keine Lust auf  "Fool Monty" - Keine Lust auf Galoschen, Cape, Helmzier....

ES REICHT!!


Eindhoven Central ist gleich um die Ecke. Heute nehmen wir den Zug. die 56 km schenken wir uns.
Und das war die beste Entscheidung. Es hat heute einfach den ganzen Tag gepieselt, genieselt, geregnet oder einfach deutlich zu hohe Luftfeuchtigkeit.
Außerdem soll Venlo interessantes zu bieten haben. Was wir von Eindhoven nicht wirklich behaupten können. - OK bei dem Regen haben wir auch nicht richtig gesucht. Aber die "Servicewüste" Eindhoven hat uns nicht wirklich beeindruckt. Bis auf eine wirklich gigantische Fahrradgarage. Die war wirklich super.



Das ist in Holland wirklich genial. Überall bewachte "Fietsbestalling" - kostenlos und bewacht. 

Was andererseits die Hotels davon entbindet Fahrradstellplätze anzubieten - d.h. nach dem Frühstück ein kleiner Spaziergang durch den Regen kann nicht schaden.

Am Eingang zum Bahnhof, das nächste Problem. Die automatischen Schranken sind zu schmal für unsere Räder mit Satteltaschen! Doch eine nette Dame sagt uns, das die Schranke ganz links breiter ist, für Fahrräder und Rollstuhlfahrer geeignet.

Der Regen pladdert an den Zug und wir fahren gemütlich durch eine durchschnittlich unterhaltsame holländische Landschaft. Wie es aussieht ist der Radweg über weite Strecken direkt an der Bahn. Wunderbar breit, schön rot, und sehr nass.

DAS HABEN WIR GUT GEMACHT.

Venlo hat einiges zu bieten. Direkt gegenüber von unserem Hotel das Museum der "van Bommel van Dam Stiftung". 2 Sonderausstellungen und eine bemerkenswerte Sammlung holländischer Gegenwartskunst. 

Sehr beeindruckt hat mich die Ausstellung "Nachtleven" des Künstlerpaares Hanna Korevaar und Armand Bouten. Beide Ende des 19. Jahrhunderts geboren, beide konsequent der Kunst verschrieben, Expressionisten der ersten Stunde. Von Venlo, über Amsterdam nach Paris. Nie wirklich erfolgreich, aber ungemein produktiv. Was die Ausstellungsmacher sehr schön herausarbeiten ist, dass es sich um eine eher "untypische Künstlerbeziehung" gehandelt hat. Wenn man man sich die "Künstlerpaare" so anschaut. "Rodin und Camile Claudel" der alte Gockel konnte nicht mir ihrem Talent umgehen. Noch schlimmer Picasso und seine Frauen - Dora Maar konnte sich als Künstlerin erst freistrampeln, nachdem sie sich von Picasso getrennt hatte....

Auch in der Literatur gibt es genügend Beispiele.

Bei Hanna Korevaar und Armand Bouten scheint das anders gewesen zu sein. Die Ausstellung arbeitet sehr schön heraus, wie sie sich gegenseitig inspiriert haben. z.T. zusammen gearbeitet haben. Schwierige Beziehungszeiten ausgehalten haben. Viel kann man an den Bildern erkennen, der Kommentar ist aber immer ehrlich und betont, dass man von den Beiden, die lange Zeit, besonders in Paris eher in ärmlichen Verhältnissen gelebt haben nichts genaues weiß



Das ist Hanna


Dieses Motiv haben beide mehrfach bearbeitet. Eine Lesbenbar, in die ein "Spießerpaar" reinschaut.


Sie haben am Montmartre  gewohnt und in Marseille haben alle Strömungen der Zeit aufgesogen, wirklich spannende Kunst, - aber nie erfolgreich. Teilweise hatten sie wohl nicht genug Material und Armand hat auf Zeitungspapier gezeichnet.



Er hat nie aufgegeben. Sie hat anscheinend irgendwann aufgehört zu malen, aber so sicher ist das nicht. Auch aus den 30er Jahren gibt es noch Bilder, die mit ihrem Namen unterschrieben sind, obwohl sie vermutlich von ihm sind.

Das Schicksal der beiden hat mich sehr berührt.

Doch ich will Friederike auch noch was zum erzählen lassen.

Diese beiden Bilder aus der Sonderausstellung "Grijs! Art on Aging" - auch im van Bommel Museum-haben mir gut gefallen:


Die Großmütter sind für die kleinen Kinder zuständig- eine Künstlerin aus dem Senegal.

Auch zwei oder drei Bilder von Maria Lassnig waren dabei. 

Und, ja,vor allem Frauen hatten zum Thema Altwerden etwas zu sagen:


Im Dachgeschoß gibt's Kunst zum selbstbasteln und eine interessante Röhre mit Panoramafester nach draußen


 



Und was macht man sonst noch an einem regnerischen Tag in der Stadt? Genau, man geht ins Kino.

Wir entdecken ein Programmkino, das heute um 15 Uhr den marokkanisch-spanischen Film "Calle Málaga- Ein Zuhause in Tanger" im Programm hat. Ich frage extra vorher noch nach, ob er im Original oder synchronisiert ist, und ein etwas beleidigter Cineast sagt, natürlich im Original (spanisch), mit holländischen Untertiteln. Perfekt! Bedankt!  

Wer von euch Blog-Leser*innen im Gemskino- Einzugsbereich lebt, kann sich dazu den Peter (Weitwinkel) vorstellen. Auch das Publikum sah aus wie in der Gems...ihr wisst was ich meine. Die Sitze waren aber sehr bequem.

Ein toller Film mit der unvergleichlichen Carmen Maura, war bei den Oscars nominiert. Unbedingt anschauen!

Abendessen wieder unter fast regendichten großen "Sonnen"-Schirmen mit Heizspiralen, von denen man entweder nicht viel mitbekommt, oder die Kopfhaut allmählich heiß wird. Von der Seite kommt immer wieder "nasser Wind" in unsere Höhle. Der Trick ist, dass man relativ in der Mitte sitzen muss, wir lernen dazu. 

Im "Durstigen Hahn" haben wir lecker gegessen: "Arroz meloso con pulpo", auf der Speisekarte war der spanische Koch extra erwähnt. Auf jeden Fall wollten wir nichts mehr mit Fritten essen, das gibt es seit Belgien  nämlich zu allen Hauptgerichten, egal wie nobel das Restaurant ist.


Die ganze Stadt ist übrigens voller orangener Fähnchen, wie auch schon Eindhoven und Breda, in den Läden werden Fanartikel angeboten, Männergruppen formieren sich von den Kneipen. 

Venlo ist ein nettes Städtchen und hier verabschieden wir uns von der Maas. Vor einer Woche sind wir am Maasufer entlang schon einmal durch Venlo gefahren, auf der Strecke zwischen Roermond und Vierlingsbeek, Jetzt ist "der Kringel" wirklich zu, die Reise neigt sich dem Ende zu. Und morgen fahren wir nochmal mit dem Rad, egal ob's regnet, stürmt oder schneit.

Also, Halbzeitpause, Manne hat noch ein Rätsel.


Aber zuerst die Auflösung von gestern:

W. aus G. hat natürlich recht. Gegen die KI (Künstliches  Irgendetwas) ist natürlich schwer anzurätseln.

Der war sehr wichtig für Eindhoven. Kann die Bilderkennung auch aus dieser Perspektive erkennen,

wer es ist?


Ja, das ist Frederik Jacques "Frits" Philips, der vierte Vorstandsvorsitzende des Elektronikunternehmens

Philips.

Unter seiner Ägide wurde die Compact Cassette ab 1963 weltweit eingeführt und die Produktion von

integrierten Schaltkreisen bei Philips aufgenommen.


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Und auch diese Erfindung ist untrennbar mit Eindhoven verbunden.


»Eine bedeutende Innovation gelang dem Pkw-Hersteller DAF in Eindhoven. Im Jahr 1958 erschien hier

der DAF 44 mit einer stufenlosen CVT-Automatik unter dem Namen „Variomatic“. Sie verändert ihre

Übersetzung automatisch, wobei ein Keilriemen zum Einsatz kommt.«


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Einige ältere "Modelle" werden sich noch an das DAF erinnern, das erste Serien Kleinauto mit Automatik. Man hat es ein bisschen belächelt, weil die Beschleunigung sehr bescheiden war.

Das heißt. Herr S. aus und W. aus G. haben natürlich völlig recht.

Aber ich versuche es noch einmal:

"Kopf Intelligenz gegen Künstliches Irgendetwas"


Findet die Schnittmenge von diesem Bild.



Einer Geschichte um einen Invaliden.
Und einem Lied von B 52

So long, Gehabt´s Euch wohl. Bis Morgen. Der letzte Tag unserer Reise. Dann geht es von Düsseldorf zurück mit der Bahn.



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