9.Tag: bis Revin

 die Karte


Unser Hotel in Sedan war super für den Ruhetag und den Hotelbesitzer bei der Gestaltung seiner Terrasse zu beobachten war amüsant. "Ein Schaffer" wie Manne sagte.

Die Aktion mit den Blumenkübeln hat sich über zwei Tage gezogen und er hat mit großer Zielstrebigkeit gearbeitet : Das Alte raus, Efeu von Unkraut befreit, neue Erde rein, neue Thuja rein.  Dazwischen war er am Telefon der Rezeption, hat mit Gästen und Nachbarn geplaudert, wir haben gegessen (sehr lecker), andere Gäste auch und er hat eine Zeitlang im Büro gearbeitet, und kaum war der Laden zu, hat er weitergemacht, eine Thuja, zwei Efeu, vier Geranien, in jeden Kasten. Ich hab ihn noch nach Mitternacht gehört, leise schaben, Blumenerde ausschütten. Unser Zimmer lag direkt über der Terrasse.  Beim Abendessen gestern (sehr lecker!) wurden die Kübel entlang der Terrasse geschoben und verteilt, mit dem Meterstab die Abstände korrigiert, gegossen, dann ein wenig gekehrt. Und heute morgen sehr früh gab´s in der Gasse einen Höllenlärm, ich dachte die Straßenreinigung schiebt sich vorbei, und hab gar nicht nachgeschaut. Aber vielleicht hat doch der Manne Recht, dass der "Schaffer" die Terrasse gekärchert hat. Könnte stimmen, jetzt sieht alles picobello aus. Schade, ich hab kein Foto gemacht. Aber wenn ihr mal nach Sedan kommt, dann unbedingt bei St. Michel essen.





Wie immer war das rausfahren aus der Stadt ein bisschen tricky, aber bald schon waren wir wieder auf der wunderbaren Voie verte Trans Ardennes. Zuerst in recht flacher, gemütlicher Landschaft, dann zunehmend enger und steiler. 71km war die Strecke heute, für mich allerdings 4 km länger weil ich am Badeplatz mein Handy vergessen hatte. (Huhu Andi, erinnerst du dich, am Fischerweg ;-)

Zum Glück bald bemerkt, zurückgeradelt und da lag es auf unserer Bank, bewacht von den Nilgänsen, die mich auch  schon beim Baden beobachtet hatten. Da sind sie höflich am anderen Ufer geblieben.



Die Maas trägt viel Schlamm mit sich, und es hat auch recht viele Algen und anderes Zeugs. In der Mitte des Flusses ist das Wasser kühler, fließt mit ordentlicher Strömung und es war mal wieder eine herrliche Mittagspause. 

Aber jetzt muss die Maas so richtig Anlauf nehmen, denn das Tal wird immer enger und mit stetiger Wasserkraft hat sie sich ein breites Bett gegraben. Die Schleifen, die sie machen muss, fahren wir auch. das ist fantastisch:


Hier haben wir die 400 km überschritten. Unsere Fahrräder wollen weiter...und wir auch.
Aber nicht mehr heute Abend: Die Hitze, die Kilometer, die Pizza und der leckere Rosé...

Vielleicht kann der Manne noch was schreiben, er hat schließlich nur Bier getrunken.

Alla Gut:

Als wir heute nach 30km an Charleville-Mézières vorbeikamen, war die Frage, rein fahren in die Stadt oder auf dem Radweg bleiben. Der Place Ducale soll ja ganz beeindruckend sein. Aber auch nicht wow, schließlich hat irgendwer im 30jährigen Krieg Charleville aus Frust abgefackelt, weil er Sedan nicht einnehmen konnte. Dann hätte mich noch das Geburtshaus von Rimbaud interessiert, soll gleich am Fluss sein. Aber leider haben wir die einzige Brücke verpasst, die in die Stadt führt. 
Aber mal ehrlich: Was ist der gesteigerte Lernwert, wenn man vor einem Haus steht an dem Fulanito geboren wurde, oder Fulanita gestorben ist? Sorry, Rimbaud, so sehr ich die "Blusen der Böhmen" schätze - (oder waren es die "Blumen des Bösen"?), heute konnten wir uns zwecks Heldenverehrung auf keinen Umweg einlassen.

Als wir etwas später an dieser Ruine eines Stadttores vorbeigekommen sind, hätten mich eh keine 10 Pferde in die Stadt reingekriegt. Liebe Charleviller  habt Ihr noch Alle?



Ein solches Stadttor so verkommen zu lassen - und dahinter das "Lange Elend"!!



Friederike hat es schon gesagt, der heutige Streckenabschnitt durch die Ardennen war unglaublich schön, So grün, grüner geht es nicht. Steile Berghänge, ein Luxusradweg und immer am Fluss entlang, oder am Kanal und Schleifen ohne Ende. 

 

Dörfer eher selten. 
Aber wenn wir Leute getroffen haben. Immer für ein Schwätzchen offen. Wie zum Beispiel mit Lis und David aus Namur- die sich als "Dali" verabschieden, die die Welt bereist haben und  den eigenen "Hinterhof" nicht kannten und die geflashed waren, als sich Friederike in die grünbraune Brühe gestürzt hat, haben wir eine wirklich lustige Mittagspause verbracht. Ich glaube ich habe noch auf keiner Reise so nette Gespräche und entspannte Smalltalk gehabt, wie hier an der Maas.

Und dann wird das Tal immer enger- und die Berge immer höher und dicht bewaldet.






Revin (in der Karte ganz oben in diesem rotmarkierten Kreis) liegt so was verwirrend in einer doppelten Flussschleife liegt, und meine blöde Routenapp wollte uns noch einmal in den Hang schicken und hat es leider auch geschafft:




Und dann hats auch noch etwas länger gedauert hat, bis wir unsere äußerst gut versteckte Unterkunft gefunden hatten.
Mal ehrlich:



Da wärt Ihr doch auch mindestens 3x dran vorbeigefahren. 
Und hätte uns nicht ein netter junger Mann aus dem Kebabladen gegenüber gezeigt, wo die Klingel ist, und dass der "runaway dog" völlig harmlos ist, obwohl er am Zaun auf und ab gebellt hat, wären wir wahrscheinlich noch eine zeitlang zwischen Bahnhof und Lidl hin und her gependelt.


Shorty erweist sich wirklich als völlig überfressener, harmloser, lieber Trottel ,und die meisten Katzen die herumlagen, waren noch am leben. Unser heutiger Gastgeber ist total nett, aber etwas skurril und das Zimmer seehr eigen, aber nicht ungemütlich:



Wenn man eine Blumentapetenallergie hat, ist man hier allerdings aufgeschmissen.


So jetzt ist es doch etwas spät geworden. 
Aber die Auflösung der gestrigen Frage steht noch an. Da W. aus G. und Herr S. aus E. beide die richtige Antwort gegeben haben. Sind die Waffeln für gestern vergeben.

Herr S. aus E. hat wie immer höchst kompetent die Zusammenhänge erklärt:


Das war wirklich ein Herzchen! Das Wesentliche zur Fragestellung ist dies:
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Graf Wilhelm I. von der Mark, Herr von Sedan, Statthalter und Pfandinhaber von
Bouillon
* um 1446 18. Juni 1485 in Maastricht enthauptet
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Wer’s aber genauer wissen will, für den gibt es auch Details:

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Graf Wilhelm I. von der Mark galt als ein unruhiger und ungestümer Adliger. Dies trug ihm den
Beinamen „Eber der Ardennen“ ein. Er wurde Regent von Lüttich, doch zeigt sich bald, dass er
sein Amt missbrauchte und vor Willkür und Gewalttaten nicht zurückschreckte. Daraufhin beschlossen
die Landstände des Bistums Lüttich, Wilhelm für die Dauer von 50 Jahren aus der Stadt zu verbannen.
Wilhelm knüpfte Verbindungen zu König Ludwig XI. von Frankreich, von dem bekannt war, dass er im
Bistum Lüttich Einfluss nehmen wollte. Seit 1478 sind Zahlungen aus der französischen Staatskasse an
Wilhelm dokumentiert. Mit französischer Hilfe zog er 1482 rachedürstend gegen Lüttich, besiegte die
städtischen Truppen und erschlug Bischof Louis de Bourbon mit der Streitaxt. Danach zog er in
Lüttich ein, ließ seinen Sohn zum Bischof wählen, riss die Herrschaft wieder an sich und stellte sich an
die Spitze einer Verschwörung gegen Maximilian I.
Als Ludwig XI. am 23. Dezember 1482 mit Maximilian Frieden schloss, verlor Wilhelm zuerst seinen
Rückhalt und dann seinen Herrschaftsbereich. An Maximilian, dessen Truppen auf Lüttich vorrückten,
verlor er eine Stadt nach der anderen: Sint-Truiden, Hasselt und schließlich Tongern. Als die beiden
Bürgermeister von Lüttich darauf drängten, mit Maximilian Frieden zu schließen, ließ Wilhelm sie
ermorden. 1484 musste Wilhelm sich schließlich den Belagerern der Stadt Lüttich ergeben. Maximilian
ließ ihn ergreifen und am 18. Juni 1485 in Maastricht enthaupten.
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Immerhin hatte der Eber der Ardennen hauptsächlich nur mit seiner Streitaxt gewütet. Unsere Gegenwartsvollpfosten und Möchtegernpotentaten, haben kleine Köfferchen mit roten Knöpfen zur Verfügung. 

Aber lassen wir das!!

Die Rätselfrage von heute. Ich versuche es, Euch mal etwas schwerer zu machen.

In der Gegend von heute trieben sich  einst 3 Wegelagerer herum,
Nach Steckbriefangaben kamen "die Drei von Flandern her" 
und hießen, "Jean,  Jacques und Nicola"
und haben einem reichen Händler   1000 Taler abgenommen.
Die Geschichte hat im Winter gespielt
Und ging für den Jean, den Jacques und den Nicola nicht gut aus.

Worauf beziehe ich mich, wer hat uns darüber berichtet und wie heißt die "Quelle"?
Ich bin gespannt.
Ich wünsche mir und Euch eine geruhsame Nacht - und unserm kranken Schwager, auch!


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