5.Tag: Bis Verdun

Ein sehr schöner Radtag, mit einigen knackigen Steigungen, viel Sonne, aber auch sehr gemütlichen Streckenabschnitten.


Ganz oben neben dem großen Baum, ist ein kleiner roter Punkt: Das ist der Manne. 

Und im Baum hat diese Marienfigur ein schönes Plätzchen gefunden:



Gestern bei Hochasten eines fiesen Anstiegs  hat uns eine E-Bikerin überholt und die war tatsächlich heute beim Frühstück in  unserem Hotel, mit einer Freundin. Zwei ältere Damen, vielleicht pensionierte Französischlehrerinnen, die eigentlich immer zusammen radeln, aber die Freundin hatte sich am Handgelenk verletzt. Jetzt fährt die eine mit dem Rad, die andere mit Bus und Bahn nebenher, und sie treffen sich abends im Hotel. Da braucht man  gute Nerven für die Bahnfahrten hier, Schienenersatzverkehr gibt's wohl auch in Frankreich. Und heute hat uns die eine wieder überholt, mal sehen wie oft wir uns noch treffen. Ansonsten sind kaum Radfahrer unterwegs. 

Manch einer hat vielleicht auch aufgegeben?



Die Landschaft wird offener, die Dörfer und Städtchen belebter, man kann mal jemanden nach dem Weg fragen, die älteren antworten auch gerne auf deutsch. "immer geradeaus". Die Route ist recht gut beschildert und: 

Es gab heute immer wieder Radwege "routes vertes", meist auf einer alten Bahnstrecke,  asphaltiert oder mit festem Kiesbett, Rastplätzen, Beschilderung und Infotafeln zu Flora und Fauna. 


So macht radfahren Spaß!

Und so gefällt uns Frankreich: Eine Patisserie in St Mihiel, sehr empfehlenswert!

In St Mihiel wird die Kathedrale restauriert, aber sie war offen und nahezu leergeräumt. Ein riesiges  gotisches Kirchenschiff. Ich war ganz alleine drin und hab (wie immer in Kirchen) mal ein bisschen gesummt um die Akustik zu testen. Fantastisch. Und dann richtig gesungen:  "Locus iste" von Bruckner,- eines unserer Chorstücke- selbst die Altstimme allein hat toll geklungen. Das wäre ein wunderbarer Raum für ein Chorkonzert.

Und natürlich, der absolute Höhepunkt des Tages:







Von Verdun wird Manne euch berichten. Aber ich zeig euch schonmal, wo wir heute logieren. Booking hatte ein super Angebot:



Also gut:

Verdun, wie oft war ich mit Schulklassen und unserem hervorragenden  Reiseleiter Schulleiter S. aus E. in Verdun und Umgebung? 10x wird nicht reichen. Und es ist, denke ich, heute nach wie vor wichtig, auf den unglaublichen Irrwitz dieser Kriege hinzuweisen. Aber heute habe ich beschlossen, mich auf das Verdun von heute - heute am Pfingstmontag 2026 - einzulassen. 

Zum Glück sind wir rechtzeitig angekommen, um die Kathedrale einzulassen. Natürlich stecken auch in ihr die Schrecken des 1.Weltkrieges, aber diese Kirche ist so unglaublich oft zerstört, abgebrannt, überbaut und was weiß ich noch alles worden!




Und dann kommt man rein, und die Kirchenfenster bringen die Wände zum Leuchten, und dann taucht man ein in ein Gebäude, geschunden, zerstört, ein Kuddelmuddel an Stilen - und  wird  ergriffen. 
Gar nicht ein einem religiösen Sinne, das liegt mir eher fern, es hat mich eher das Gefühl gepackt, zu spüren, wie viele Generationen auch immer unter Kriegen gelitten haben, wie oft "ihre Kirche" auch in Trümmern gelegen ist, ist sie mit einem unbändigen Willen und enormen Aufwand  immer wieder aufgebaut wurde. 


Und anders als in anderen Kirchen stört mich hier der Stilmischmasch hier überhaupt nicht . Es ist ein offenes Geschichtsbuch. Als man nach dem Bombardement des 1.Wk die verschüttete Krypta wieder ausbuddelte und restaurierte, hat man den romanischen Urzustand nicht versucht wieder herzustellen, sondern die Säulen haben die Gegenwart des Krieges eingefangen.


Es ist ganz gleich, ob man verwundete Soldaten mit Gesichtsverbänden oder Gasmasken sieht, diese Fratzen des Krieges passen einfach in diese Räume.
Und dann natürlich -lädiert und  verschrammt, die wunderbaren Darstellungen im Kreuzgang.


 Eva ist sich ihrer Nacktheit plötzlich bewusst! Ganz großartig, wie dieser Moment eingefangen ist.




Und dann, die Szene, in der, der Erzengel Maria, "die Botschaft verkündigt" - der unbeugsam, dominante Zeigefinger des Erzengel "Maria- das wäre jetzt Deine Aufgabe!" und Marias, erschrockene, abwehrende, nach außen gerichtete Hand!!!

Und schließlich, 


die mehr als gruselige Geschichte, wie der Herr, unser Gott, gut zu erkennen an der Hand, die aus den Wolken kommt und nach rechts weist, das Lamm, das Abel, der Schafhirte als Opfergabe angeboten wird, vorm Herrn unserem Gott   für wohlgefällig erachtet wird: "Heute gibt´s Lamm!" und das Ährenbündel des Kain, links liegen gelassen wird, "nicht schon wieder Müsli"! Da steckt im Grunde die ganze Geschichte der frühen Siedler im "fruchtbaren Halbmond" drin. Der Gott des Alten Testamentes ist ein Gott der Schäfer und Nomaden. Der sesshafte Kain findet noch keine Gnade vor Gott - komisch eigentlich, oder?
Ok, Kain, dass Du deshalb gleich deinen Bruder erschlägst, das war nicht ok. Aber Deine Idee, den Ackerbau einzuführen, das hätte Dein Herr und Gott doch sehen müssen, dass Dir die Zukunft gehört.

Wie gesagt, heute hat mich die Kathedrale von Verdun, einmal mehr begeistert und ich könnte noch eine Weile von den großartigen Steinmetzarbeiten im Kreuzgang schwärmen, 






aber Friederike wartet unten in der Bar unseres großartigen 4 Sterne Luxushotels, das heute einen Schnäppchenpreis bei Booking eingestellt hat.

Also, gehabt´s Euch wohl. Schaut Morgen wieder vorbei!

Ach ja, zur Erinnerung

Stroopwafels

kann man nicht bestellen, sondern man sollte schon ein bisschen was zum Heiligen, der seinen Kopf in der Hand hält erzählen können. 




Kommentare

  1. Der hat seinen Kopf in der Hand, weil Enthauptung damals offenbar kein ausreichender Kündigungsgrund fürs Heiligsein war. Als echter Profi-Märtyrer hat er wohl 'dacht „Kopf verloren? Egal, ich trag ihn einfach weiter.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Auf ein Neues: Die 14.Reise!

2.Tag: von Langres nach Saint-Thiébault

1.Tag: Anreise nach Langres