4.Tag: Bis Commercy

 OH MY GOD! Wie konnte das gestern passieren! Natürlich weiß ich wie man 

Jeanne d´Arc 

schreibt. Das kommt davon, wenn man nebenher DFB-Pokal Endspiel hört. Unverzeihlich, sorry.

Nun aber der heutige Tag: 


Die Maas ist so schön. Doch sehen tun wir sie nur hin und wieder!

Irgendwie kriegen wir die Höhenmeter nicht aus dieser Reise - und das bei satten Temperaturen bis 33°.
Als Radreiseveranstalter hatte ich gemütliches Flussradreisen versprochen - aber ich weiß ehrlich nicht, was ich vergangenen Winter beim Planen gedacht habe!!
Es stand ja in der Gesamtübersicht der Reise: Von  Langres zum Meer sind knapp 4000 Höhenmeter zu überwinden. Das kann man doch einfach nicht glauben! - Doch inzwischen glaube ich es. 
Der Morgen begann wunderschön, ein weites Tal, kaum Verkehr, aber schon wenigen Kilometern ging es in den Hang. Und immer wieder rauf und runter. Eine menschenleere, wirklich schöne Landschaft - und dann auf einmal macht die Maas Kringel,  fast wie an der Saarschleife - und wir müssen über den Berg. Entlang der weißen Wand.



Die Strecke hatte alpinen Charakter. Aber das soll heute keine Klage über die Strecke werden, es war ein schöner, aber nicht unanstrengender Tag. 
Zu Mittag fanden wir in zu unserem großen Glück in Vaucouleurs eine Bäckerei die Sonntag offen hatte und eine sehr leckere Torte Lorraine macht,  die wir auch noch warm bekamen. Das Frühstück bei unserem Jeanne d´Arc Kenner war etwas frugal ausgefallen, so dass wir dringend auf Körnernachschub angewiesen waren. 


Für Friederike kam der Höhepunkt des Tages kurz nach der Mittagpause. Sie durfte endlich in der Maas
baden.





Bevor ich weiter über die nächste Bergstrecke meckere, lasse ich lieber Friederike weitererzählen.

frieda:
Der Manne sollte halt auch mal in's Wasser hüpfen, es war fantastisch und gerade so tief,  dass man gut schwimmen konnte. Und gar nicht kalt, hätte für mich, so erhitzt wie ich war, gerne auch ein paar Grad kälter sein können.

Wasser zum trinken hatten wir noch genug, irgendwo war auch noch ein  Kneipe offen, und wir konnten nochmal nachtanken.
Unser Schlossherr von gestern hatte mir noch einen guten Tipp gegeben: In Frankreich gibt es auf jedem Friedhof frisches Wasser, Trinkwasser aus der öffentlichen Versorgung. Da radelt man doch ganz beruhigt von Dörfchen zu Dörfchen, immer am Ein- oder Ausgang am Friedhof vorbei. 

Vorbei an sehr stillen Gehöften und alten Mauern.





Alte Waschhäuser laden zum eintauchen ein:



Wir sind noch an einigen richtigen, super Badestellen vorbeigekommen, hier ein ganzer Clan beim Sonntagsvergnügen, natürlich mit lauter Musik:


In Commercy, unserem heutigen Etappenziel, sitzen wir jetzt im wunderschönen Garten eines alten Hotels "Coté Jardin" und der sehr freundliche Besitzer hat mir grad ein kleines Gläschen Grauburgunder zum probieren hingestellt. Alle anderen Gäste sind auf einer Hochzeit.

Ja, das Essen, das war heute schwierig: In Google bestimmt 15 Restaurants, beim filtern nach geöffnet noch ca 8.
Also erstmal das Schloss von Stanislaus angeschaut, die Kirche besichtigt, dann in einer Pizzeria einen Aperol und ein Bier und die Karte bestellt. Aber: "leider ist unser Ofen kaputt, heute gibt es kein Essen"
Ohhhh. Dann haben wir halt die Getränke gesüffelt, Manne wurde immer nervöser,  und weil mein Aperol so groß war, musste er noch ein Bier trinken.
Und dann hat sich ein super Theaterstück auf dieser Terrasse abgespielt.
Eine Frau dreht sich um, "Ah ihr seid Deutsche, ich kann auch deutsch, meine Großeltern sind aus dem Elsass," endlose Familiengeschichte, dann meine Frage, wo es hier was zu essen gibt. "Der Thailänder?" "Ah no, da kann sie nichts sagen, aber hier?" "Nein hier ist die Küche geschlossen."
Vom Tisch ganz hinten kommt ein Kommentar zu den geschlossenen Restaurants und unsere Frau erzählt ihm über alle Köpfe hinweg schnell noch was ganz anderes. Am anderen Tisch reden zwei alte Leute über ehemalige Restaurants, sehr laut, weil sie nicht mehr gut hört. 
Inzwischen hat der Manne beschlossen mit dem Rad eine Runde zu drehen und die ab 18 Uhr geöffneten( laut google) abzuklappern. Kaum war er weggefahren machte der alte Mann ein Witzchen, so etwa "dass der wohl nicht so schnell wiederkommt". 
Er meinte den Manne, den Ehemann. Aber ich hab es nicht gleich verstanden und nach dreimal wiederholen war's dann auch nicht mehr so witzig.
Inzwischen  wurde ich auch dem Bruder der ersten Frau vorgestellt, der aber leider kein deutsch kann (gottseidank). Manne kam zurück, meldete dass der Thailänder heute gar nicht aufmacht, die Frau nickt, das hatte sie sich wohl schon gedacht.
Blieben zwei Dönerläden und Mac Donald.
Da mischt sich ein junger Mann ein, er hat grade gegoogelt, "Istanbul " hat auf und da kann man hervorragend essen. Manche nickten, andere waren da wohl noch nie.  Der junge Mann liest uns die Speisekarte vor. Gibt alles, auch amerikanische Burger.
Ich bedanke mich herzlich in die Runde, muss noch ein paar Fragen zu unserer Radtour beantworten und....
ab nach Istanbul. Wir bestellen, setzen uns und wen sehen wir da? Unser junge Mann kommt rein, hat jetzt auch Hunger bekommen. Und während er auf Essen zum Mitnehmen wartet, erzählt er uns, dass sein Großvater aus Spanien war. Und woher genau, und dass er sich aus dem Staub gemacht hat und die Großmutter alleine mit den Kindern war.

Ja und dann kam auch unsere Essen und es hat sehr gut geschmeckt!


Noch ein kleiner Nachklapp meinerseits:


Eigentlich ist es unverständlich, dass Commercy insgesamt so verschlafen wirkt. Das Stanislausschloss ist wirklich ein Hingucker - von Außen. Stanislaus der polnische König war der Schwiegervater von Ludwig XV , der ihm wiederum gerne zurück auf den polnischen Thron verholfen hätte,...was aber nicht so recht geklappt hat. Dafür bekam er Lothringen. Und ein richtiges Naschkätzchen muss der gute Stani auch gewesen sein. Immerhin haben seine Köche für ihn die Madeleines  erfunden, die es heute noch überall in Commercy zu kaufen gibt - außer an Sonntagen. Auf meiner Radtour von Paris nach Straßburg bin ich auch in Luneville vorbeigekommen, wo der Stani auch immer wieder war. Und dort habe ich schon mitbekommen, wie grausam der Gute umgekommen ist. Er ist mit seinem Ärmel an eine Kerze gekommen, woraufhin sein gesamtes prächtiges Outfit in Flammen aufgegangen ist - was immer das war vor der Erfindung des Nylons. 

So und jetzt wünsche ich eine geruhsame Nacht - und uns ein paar Höhenmeter weniger.


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