Ich wollte eigentlich gemütlich die Maas entlangradeln, so war's versprochen. Und nun haben wir am zweiten Radeltag schon 1200 Höhenmeter (aufwärts) in den Oberschenkeln.
Aber, die ersten 100 km sind geschafft und in Neufchateau gibts das erste Café.
Gestern kamen wir ja nur durch leere Dörfer, keine Café, kein Kiosk, kein Laden. Zum Glück hat in einem der stillen Dörfer eine ältere Frau vor dem Haus gerade ihre Rosen gegossen hat und da konnten wir nach Wasser fragen.
Heute gabs nochmal einiges an Verwirrung mit Radweg, Komoot, GoogleMaps, und manch eine Abkürzung war dann zwar schön, aber nicht immer klug. Dieses Weglein endete mit einem steilen Pfad hoch zur Hauptstrasse.
Pfad ist gut, es ging einfach den Hang hoch durch den Wald.
Bei Pompiere gab es noch einen super steilen Anstieg, wo wir wieder schieben mussten- und diese Bilder zeigen wir jetzt nicht mehr- und dann aber eine gigantische schöne Abfahrt ins Tal der Mouzon, die langsam und träge der Maas zufließt.
Die Maas hat jetzt ein bisschen mehr Wasser, und eine wunderschöne Algenblüte
Zur Mittagszeit passend waren wir in Neufchateau:
Alles weitere wird Manne berichten und wir stürzen uns jetzt erstmal ins Gewimmel von Domremy, hier ist nämlich Mittelaltermarkt.
Alla gut: Jetzt also ich.
Nach den ziemlich heftigen AufundAbs des Vormittags, waren die letzten 12 km eher erholsam.
Nach der Mittagspause in Neufchateau, an der Meuse
und Friederike hatte ihren "Erstkontakt" mit dem Fluss, der offensichtlich beiderseits zufriedenstellend war:
So nach und nach bekommen wir ein Gefühl dafür, wie wenig aktuell der Eurovelo 19 und die Bikeline das Fahrradnetz abbilden. Zum Glück sind wir den Schildern gefolgt.
Gleich nach Neufchateau will der EuroVelo 19 ab in die Berge, dabei gibt es seit "Neuestem (?)" einen wunderbaren Radweg auf einer alten Bahntrasse
So cool! Und danach haben wir die Bikeline und Co noch einmal ausgetrickst. Im Dorf vor Domrémy war heute ein großer Flohmarkt und die Hauptstraße war gesperrt- und damit auch die Straße dahinter. Bis Domremy sind wir auf einer komplett leeren Straße an unser Ziel gelangt.
In der Clos de Domremy. Domrémy ist "bekanntermaßen" der Geburtsort von
Jeanne D`Arc. Geburtshaus, Taufstein etc. Davon später. Heute ist - was für ein unglaublicher Zufall auch der Tag von Jeanne D´Arc und der ganze Flecken ist ein einziger "Mittelaltermarkt" - auf den wir eigentlich gar nicht hätten gehen müssen, denn unsere Close ist ein aberwitziges Museum mit einem nicht weniger originellen Gastgeber. Er ist nicht nur eine ausgewiesener Jeanne D´Arc Kenner und Sammler sondern sein Haus ist auch eine einzige Anekdotensammlung. Ehe wir uns auf Dorferkundung machen konnten, haben wir uns erst einmal die Geschichte des Hauses angehört. "Clos", ein ummauertes Gebäude - , hat später Napoleon dem III gehört, der hier eine Geliebte untergebracht hat. Dann musste Napi III schnell weg und der Geliebten blieb nichts anderes übrig - man/frau muss ja schließlich auch von was leben- als das schöne Haus in ein Bordell umzuwandeln. Victor Hugo war allem Anschein nach auch Stammgast hier und unser Gastgeber schwört, mit einem Augenzwinkern, dass unser heutiges Zimmer Victor Hugos Stammzimmer war.

Wie gesagt, das ganze Haus ein einziges Museum. Das Museum des Ortes hat -so unser Gastgeber hat 3 Jeanne D´Arc Statuen, Allein im Treppenhaus sind bestimmt mehr als 100.
Wir sind aber trotzdem noch in die Kapelle gegangen, in der sie getauft worden ist.
Ob genau in diesem Taufstein? Vermutlich, vielleicht, wer weiß.
Und in ihrem Geburtshaus waren wir natürlich auch. Und wieder kann das nur aus den Verhörprotokollen ansatzweise rekonstruiert werden..
Aber die Jeanne D´Arc Geschichte ist eh eine einzige großartige Erzählung, die immer wieder neu umgedeutet worden ist. Unser heutiger Gastgeber geht sogar so weit zu behaupten, dass sie keine Bauerntochter war, sondern adlig war, Königstochter und in Wirklichkeit aus lothringischem Adel - also in Wirklichkeit Deutsche -.... irgendwann habe ich aufgehört zuzuhören und mich den nicht weniger fantastischen Mittelalterladies zugewandt.
Das ist das unglaublich Schöne am Radreisen, dass es jeden Tag neue Überraschungen gibt. Sei es, dass man irgendwo im Grünen in eine Sackgasse gerät, sei es, dass man einen fantastischen Tag mit Geschichte und Geschichten erlebt.Apropos Geschichten: Herr Schmidt, es ist spät geworden und ich bin zu faul nachzuschauen - und überhaupt kommt gleich das Pokalendspiel, Sie wissen doch sicher Bescheid, warum der gute
St. Elophe seinen Kopf in der Hand hat.
Und natürlich für alle, die an den diesjährigen Rätselfragen teilnehmen wollen, es gibt dieses Jahr:
Stroopwafels
Ich wünsche eine geruhsame Nacht - und bis Morgen!!!
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