11.Tag: Bis Huy

 die Karte


Au revoir Dinant


nach einem tollen Frühstück, am großen Tisch mit einem Paar aus Estland, und einem "jungen" Hochzeitspaar aus einem Nachbarort. Die sind gestern kurz vor Mitternacht mit großem Hallo und Flaschengeklirre  angekommen und haben mit Freunden bis um drei Uhr gefeiert. Ja Madame wir haben es sehr wohl gehört , aber jetzt: "bonne chance et felicitacions"!

Die Maas wird zunehmend breiter wird. Es sieht fast so aus, als ob meine Maas- Badezeit vorbei ist, das Ufer ist meistens zu hoch, es hat kleine Anlegestellen für Boote, da käme ich zwar rein, aber nicht mehr raus.



Bis auf diese vielleicht 300 m ist der gesamte Radweg perfekt geteert, ausgeschildert und super zu fahren. Außerdem Rückenwind! 




In Namur machen wir Mittagpause, essen leckere Eclairs und freuen uns über das Unterhaltungsprogramm des Namurer Chorfestivals. Da kommen auch schöne eigene Chor-Erinnerung hoch, z.B. an das grenzüberschreitende Chorfestival letzten Sommer, gell Bärbel!



Kurz nach Namur ist die Maas sehr breit, man sieht Frachtschiffe und sehr große Schleusen und der Strom fließt jetzt eingesperrt zwischen hohen Ufermauern. Aber der Radweg ist super und an einer Vesperbank machen wir nochmal einen kurzen Stopp. 

Flussaufwärts plötzlich Geschrei, eine Person fällt oder springt in den Fluß, oh Schreck! Wir versuchen was zu erkennen und tatsächlich schwimmt da jemand, aber kein Notfall. Nachher sehen wir dass eine paar Jugendliche diese hohe Ufermauer als Sprungbrett nutzen, mit Anlauf und Jauchzer in hohem Bogen die ca. 5 Meter nach unten, ein bisschen paddeln, dann über eine Rampe wieder auf die Ufermauer. Cool! Vielleicht kann ich ein Foto machen? Und denen sagen wie toll das aussieht und wie gefährlich! Wir fahren los, Manne voraus, ich hab das Handy in der Hand und radle langsamer, bleibe stehen, die Jugendlichen kommen nach oben. Und ich denke, die springen vielleicht nochmal, sie rufen was von Foto.

Plötzlich sind sie da, einer ganz nah, er hat knallrote Augen. Ob ich ein Foto von ihnen gemacht habe, ich soll ihm das Handy geben. Nein! Scheiße, der Manne ist schon zu weit weg, er hört mein Rufen nicht, niemand in der Nähe. Der Junge hebt die Faust und ich sehe seine Kaninchenaugen ganz nah.  Inzwischen umringen mich die anderen, drei Jungs und ein Mädchen. Ich soll das Foto löschen, aber ich sag da ist nur mein Mann drauf. Man sieht ihn grad noch fröhlich weiterradeln. Ich schrei nochmal "Manne".

Schließlich geben sie auf, ziehen sich ein bisschen zurück und ich schieb ganz langsam mein Fahrrad aus ihrem Revier, steige vorsichtig auf und radle davon. In einem Affenzahn, mit Pudding in den Beinen aber mit dem Handy in der Hand. Hinter mir höre ich das Gelächter. Puuuuh!

Das waren Kids, nicht älter als 15 Jahre!

So, den Rest des Tages, der nicht weniger aufregend ist, darf jetzt der Manne erzählen.


 Es war wirklich ein dreifacher Adrenalintag. Die erste  Geschichte habe ich ja erst im Nachhinein mitbekommen und  hat mir trotzdem einen Heidenschreck eingejagt.

Dabei hat Alles so entspannt und friedlich angefangen. Gleich hinter unserer Unterkunft habe ich diese wunderbare  Bäckerei gesehen


Das sind die Dinater Spezialitäten - so eine Art Spekulatius XXl, die unser Leser W. aus G. derzeit G.

als:

Couque de Dinant  herausgefunden hat. Die werden zwar gerne in Goldpapier eingewickelt werden und schmecken sicher lecker. Aber als Antwort auf die gestrige Waffel Frage fehlt ihnen ein Merkmal, sie sind sicher noch nicht "millionenfach" in alle Welt verschickt worden - dennoch lieber W. aus G. derzeit G. bekommst Du deine Waffel.

An dieser Bäckerei ist dann die schönste Episode dieses Tages passiert, die alle anderen Hässlichkeiten im Nachhinein mehr als vergessen machen.
Ich halte an der Bäckerei und Rufe: "Frieda, ich mache ein Foto!"
Da dreht sich ein freundlicher junger Mann mit prächtigem und sehr gepflegten Bart um, der mit seiner Frau, die Kopftuch und langen "Mantel" trägt. Er ruft in völlig akzentfreiem Deutsch: " Bist Du aus Deutschland? - Ich bin auch Deutscher!" - Da kann ich einfach nur den Daumen hoch machen!!! 

Bei der Rausfahrt aus Dinant sind wir dann an der Antwort auf die  Frage vorbeigefahren. 





Leider auf der falschen Seite. Die Abtei von Leffe.
 
Aber das Prinzip "kein Bier vor Vier" ist ehernes Gesetz und außerdem,  da drüben ist sicher nur der Showroom. Die eigentliche Brauerei war vom Ufer aus nicht zu sehen.



Und da wir schon beim Rätselthema sind: Lieber Herr S. aus E. gibt es überhaupt ein Gebiet, auf dem Sie nicht firm sind? Eine Waffel wie gewohnt an Sie!
Weitere Waffeln gehen an die Bierkenner Ch. aus H. und C aus H.
Die Auflösung des Rätsels von vorgestern folgt am Ende.

Jetzt radeln wir erst einmal weiter.

Die letzten beiden Tage der Maas entlang waren einfach großartig. Die 70 km haben wir nahezu fliegend gemeistert. Friederikes Allmachtsfantasien musste ich ein wenig dämpfen, - wir hatten ziemlich guten Rückenwind.


Aber die Wallonie ist einfach wunderschön, die Leute nett und überaus freundlich - meistens (siehe oben)

Dementsprechend sind wir recht zügig in Huy angekommen. 
Da kam der 2.- wenngleich nicht halb so schlimme Adrenalinschock. Wir kommen im 3 Sterne Hotel Sirius an. Und lesen auf einem Schild, am Sonntag gibt es überhaupt keine Rezeption. Eine Nachricht vom Hotel haben wir auch nicht auf dem Telefon. Auf die angegebene Nummer - am "Nachteingang" geht niemand ran. Was nun? Da kommt zum Glück jemand an dieser Tür raus. Der junge Mann ist Gast im Hotel und erklärt uns, dass neben dem Aufzug ein Zettel hängt, "Da steht Dein Name und deine Zimmernummer. Dann fährst Du mit dem Aufzug zu deinem Zimmer und dort hängt die Zimmerkarte an der Tür." Super, er lässt mich rein. Neben dem Aufzug steht: "Müller-Harter 209", ich fahre hoch, gehe zu 209 - Zimmerkarte? Sehe ich keine. Weil ich blind bin. Friederike macht dann auch einen Versuch und siehe da, es hing wirkliche eine Zimmerkarte an der Tür - wo auch immer. 

Huy ist eine tolle Überraschung - so ein netter Ort - und so eine unglaublich interessante Stiftskirche.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll:
"Unsere Liebe Frau und Sankt Domitian" - natürlich auch endlos umgebaut und verändert - im Kernbestand aber Hoch-bis Spätgotisch muss eine sehr rege und engagierte Kirchengemeinde haben. Es gibt nicht nur viele sehr schöne Details in dieser Kirche von beeindruckender Qualität, sondern gleichzeitig haben sie moderne Kunst sehr, sehr stilvoll Einlass gewährt.



Das ist das mächtige Hauptschiff.


Die Rosette über dem Hauptportal  ist modern aber sehr stimmig.





Und dann eine unglaublich gute, beklemmende Ausstellung von  Tonfiguren, de Künstlers 
Luc Tonon zum Thema Dé-limiter.





Jede Szene für sich unglaublich beklemmend. Ganz großartige Kunst.


Das hätte ich heute nicht erwartet!! Und insgesamt ist Huy ein sehr schönes Städtchen.


Der Renaissancebrunnen auf dem "große Platz" ist einer der 3 Wunder von Huy.

Wirklich schön!

In einer Fusion-Brasserie mit Libanesischem Einschlag haben wir hervorragend gegessen. Wie überhaupt, so gut haben wir noch selten durchgehend hervorragendes Essen bekommen (ausgenommen vielleicht, am Main)
Doch dann der 3. Adrenalinschock. Ich will gar nicht mehr dran denken. Wir essen auf einer Terrasse und genau gegenüber von uns beobachten wir wie ein halbangezogener junger Mann im Fenster sitzt. Zuerst denken wir, es ist ihm zu heiß in seiner Wohnung. Dann sitzt er mehr oder weniger auf dem Fensterbrett. Unten stehen zwei junge Männer und schauen hoch. Wir denken, die kennen ihn. Es dauert bis uns bewusst wird, dass etwas nicht stimmt. Dann steht er auf dem Fensterbrett. Unten ist ein Kanal, kann man da hineinspringen. Friederike rennt über die Straße und zückt das Telefon. Erreicht die Polizei, aber kann keine Adresse angeben. Sie gibt einem jungen Mann ihr Telefon, der kann die Adresse angeben. Inzwischen haben wir gesehen, dass auch ein anderer Mann versucht hat die Polizei zu rufen. 
Ich will nur weg!!! Als wir aus der Ferne die Martinshörner hören, muss ich wirklich weg. Ich will nicht zum "Gaffer" werden. Wir fahren los. Auf dem Weg zum Hotel sehen wir auch ein Feuerwehrauto mit Hebebühne anfahren. HOFFENTLICH!! Können Sie dem jungen Mann helfen. Ich nehme das jetzt einfach mal an!! WAS FÜR EIN TAG!

Inzwischen ist der Adrenalinspiegel wieder etwas gesunken. Auch dank des Blogschreibens.

Und ein Tagesrätsel sollte ja auch noch sein.

Aber zuerst die Auflösung des Rätsels von den 3 Halunken.

Herr S. aus E. hat natürlich wieder die Lösung gefunden:

wieder einmal bereichern Sie mein literarisches Raritätenkabinett. Die grausliche Geschichte der drei Landstreicher, die einen Händler um des Geldes willen auf weitem Felde umbringen, kannte ich noch nicht; die Recherche dazu war für mich wirklich lohnend. .
Meinen Beitrag zur gestrigen Frage finden Sie wieder einmal ---?--- in der angehängten Datei. Ihnen weiterhin gute Reise und für uns weitere haarig-knifflige Fragen . 


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Sie nehmen Bezug auf die Zechsche Nachdichtung (Ballade von den drei Landstreichern) nach der Vorlage
der Villonschen Balladen.
Im Original heißt das Werk angeblich Débat des trois frères tavernier, was ich allerdings weder an meiner
französischen Villon-Ausgabe noch im Internet – z. B. Projekt Gutenberg - bestätigen konnte.
Eine historische Quelle (Gerichtsakten, ...) für die Vorgänge, die in der Ballade verarbeitet werden, konnte ich
nicht ausfindig machen.
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Aber auch Ch aus H kannte die wunderbar, grausliche Ballade von F. Villon:

Lieber Ch auch Dir heute Deine 2.Waffel.

Aber jetzt ist es spät geworden:  Noch schnell die heutige Rätselfrage.


Es hat sich vielleicht schon rumgesprochen, dass ich ein großes Fan der belgischen Comickultur bin. In diversen Frankreichreisen konnte ich immer wieder bewundern, wie detailreich diese Tradition Architektur und Ambiete eingefangen hat. Und heute wurde ich ein weiteres Mal überrascht. Dass es das Schloss des "Grafen von Rummelsdorf" wirklich gibt. - Das ist natürlich der Name einer Comicfigur in der deutschen Übersetzung. 
Wer mir - aber bitte den vollständige (mind. 5-6 Wörter)- französischen Namen des liebenswerten, aber leicht vertrottelten Grafen nennen kann, verdient sich eine weitere Waffel!

Gehabt´s Euch wohl! Bis Morgen!!

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